Ultraschallmessung von Schraubenkräften
Das
Ultraschallverfahren kann zur Erfassung der Vorspannkräfte in Schraubenbolzen
während der Montage verwendet werden.
Die Durchführung der Messung
erfolgt nach der Impuls-Echo-Methode. Dabei wird ein Prüfkopf an einer
Stirnfläche der Schraube angekoppelt. Er sendet einen Ultraschallimpuls aus,
der die Schraube in ihrer Längsrichtung durchläuft, am gegenüberliegenden Ende
als Echo reflektiert wird und schließlich wieder am Prüfkopf ankommt. Bei der
Messung eines Schraubenbolzens wird die Laufzeit des Ultraschallimpulses
zwischen den beiden Enden des Bolzens gemessen, somit lassen sich beim Anziehen
(Belasten) der Schraube Änderungen in dieser Laufzeit feststellen. Die Laufzeit
nimmt im elastischen Bereich linear mit der Dehnung zu, wobei zwei Anteile dazu
beitragen:
- die direkte Verlängerung der Schraube ΔL
- der
akustoelastische Effekt
d.h. die Erniedrigung Δv der Schallgeschwindigkeit v
aufgrund der elastischen Spannungen in der Schraube.
Ebenso wie die mechanische
Spannung hat auch die Temperatur einen Einfluss auf die Schalllaufzeit.
Zwischen der Änderung der Schallgeschwindigkeit und der Temperaturänderung
besteht ein linearer Zusammenhang. Für eine genaue Messung muss deshalb der
Temperatureinfluss unbedingt kompensiert werden.
Die erste Messung (Null-,
Referenzmessung) erfolgt an der nicht angezogenen Schraube. Nach Umrechnung mit
der materialspezifischen Schallgeschwindigkeit (Geometriedaten und Werkstoffkennwerte
der Schraubenbolzen müssen vorher eingegeben werden) wird das Ergebnis als
Referenzlänge angezeigt und im Gerät gespeichert. Nach dem Anziehen der
Schraube hat sich die Laufzeit aufgrund der Längenänderung und des
akustoelastischen Effektes vergrößert. Das mit einem Mikroprozessor
ausgestattete Ultraschallmessgerät bestimmt die jeweilige Differenz zur
Referenzmessung und rechnet diese nach entsprechenden Formeln in Kraft,
Spannung und Längung um.
Gleichzeitig mit der
Laufzeitmessung wird über einen mit dem Gerät verbundenen Temperaturfühler die
Temperatur der Schraube gemessen. Alle Laufzeitwerte werden automatisch auf
22 °C umgerechnet, so dass Temperaturänderungen keinen Einfluss auf die
Messergebnisse haben.